Die Gondelbahn bringt uns bequem von Reigoldswil auf die Wasserfallen, so dass wir unsere Wanderung schon auf gut 900 Höhenmetern starten können. Denn wie immer geht es bei unseren Ausflügen nicht in erster Linie um die sportliche Betätigung, viel mehr wollen wir genügend Zeit haben, Pflanzen und Tiere zu beobachten. Nach zwei eher trübnassen Exkursionen in diesem Frühling scheint diesmal endlich wieder die Sonne. Oben auf den Jurakreten bläst allerdings eine kühle Bise, im Windschatten lässt es sich aber gut aushalten.
Das erste Wegstück führt durch blumenreiche Magerrasen mit viel gelbem Enzian und stellenweise durchsetzt mit blauer Akelei. Hier wächst auch reichlich der aromatische Kümmel, und bei genauem Hinschauen finden wir auch die unscheinbare Grünliche Hohlzunge, eine Orchidee. Wir hören den Gesang des Berglaubsängers und nach kurzem Warten entdecken wir auch einen Vogel mit Futter für die Jungen im Schnabel. Den Baumpieper beobachten wir bei seinen Singflügen und in einer Hecke hat der Neuntöter seine Lieblingssitzwarte.
Es geht nun über einen ansteigenden Berggrat in Richtung Passwang. Die Vegetation der Nord- und Südseite sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ein Trauerschnäpper-Männchen warnt intensiv und wir vermuten ein Nest ganz in der Nähe. Kurz darauf taucht auch das Weibchen auf, es bringt Nachschub an Insekten. Wir müssen uns aber eine Weile gedulden und einige Schritte zurückweichen, bis sie sich an ihr Nest in einer Baumhöhle trauen.
Wir erreichen auf dem Vogelberg den höchsten Punkt der Exkursion, es ist ausserdem gerade 12 Uhr, also höchste Zeit für ein Picnic auf einer Juraweide. Nach der ausgiebigen Mittagspause geht die Tour mehrheitlich bergab. Der Weg führt durch Wiesen und Wald, vorbei an einer Felslücke und über extensive Juraweiden zum Hof Bürten, wo die Pferde weiten Auslauf geniessen. Die Wildrosensträucher stehen in prächtiger Blüte.
Das letzte Stück wandern wir durch einen nordexponierten, schattigen Wald. Hier gefällt es dem Geissbart mit seinen weissen Blütenrispen. Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass es davon männliche und weibliche Pflanzen gibt.
Anstatt des steilen Abstiegs über den Jägerweg entscheiden wir uns für eine Rückkehr zur Wasserfallen und für die Talfahrt mit der Gondel. In Reigoldswil existieren im Vergleich mit früheren Jahren nicht mehr viele Wirtschaften, aber zum Glück finden doch wir noch eine, wo wir die Exkursion gemütlich ausklingen lassen können.
Bericht: Örni Akeret
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